Dienstag, 14. Juli 2015

An der heissen Leine…..






Manchmal, wenn auch eher selten müssen Zauberer auch mal mit der Außenwelt kommunizieren. Seit einiger Zeit gab es bei Problemen im magischsten aller Netze, die sogenannte Heiße Leine. Für Magier, war sie in rotes Tuch. Für den Kobold am anderen Ende, war es meist der Zauberer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ch`ylwalla. Ihres Zeichens Glas Kugel vom Dienst bei Mirsilus, nahm nach einigen magischen Verrenkungen seitens ihres Herrn Verbindung zum Netz auf. Verbindungen in die heiße Leine erwiesen sich als Glücksfall, oder auch nicht…..je nach Lust und Laune des Netzes, das einen ausgeprägten eigenen Willen zu haben schien.
Psischh….Ponk Klack……
„Hallooooo!“ der Zauberer war erleichtert. Es ging diesmal schneller als gewöhnlich, dass sich jemand meldete.
„Ja!“ am anderen Ende saß ein genervter Kobold der gerade Herzhaft in sein vegan belegtes Brötchen biss, das die zugeneigte Koboldfrau ihm mit viel Liebe  gebastelt und mit auf die Arbeit gegeben hatte. Dass es so ganz ohne Fleisch war bemerkte er wohl erst jetzt. Ein genervtes „Bäh….immer der gleiche Mist!“ war die Folge.
Der Zauberer blieb höflich: „Äääh, ich wollte nur!“
„Moment!“ tönte es von der anderen Seite……es machte „Klack!“ und die Verbindung erlosch.
„Aber…..“, der Zauberer seufzte und gab der Kugel erneut auf eine Verbindung herzustellen.
Psischh….Ponk …… Psischh….Ponk Kliack……
„Hi!“ die Stimme einer Fee erklang.
Noch bevor Mirsilus ansetzen konnte etwas zu sagen…..ertönte ein kehliges Raunzen im Hintergund am anderen Ende.
„Himmel Fefie….ich habe dir doch gesagt du sollst keine Gespräche von alten Knackern annehmen. Die kaufen nie was. Alles über 100 ist tabu klar!“….“Ach so!“ piepste die Fee und Klack!
Der Zauberer war verdattert.
„Bitte erneut Verbindung herstellen!“ die Kugel tat wie ihr geheißen.
Psischh….Ponk …… Pfff….Ping Klrrrck……
„Zurzeit sind alle Plätze belegt. Bitte halten sie die Leine. Ein Mitarbeiter wir gleich für sie da sein.“
Zur Beruhigung –genervter Kunden- erklang die 93 Sinfonie von Hertzlich C. Beathooven in c-Boll. Der Trollchor im Hintergrund klang irgendwie streng befand der Zauberer, und beschloss sich erst mal einen Kaffee zu holen. Die Kugel stellte er derweil auf Laut.  Die Kaffeemaschine befand sich auf der anderen Seite seines kleinen Labors. Nicht wirklich weit weg….
Psischh….Ponk …… Pfff….Ping , Psischh….Ponk …… Pfff….Ping  Klock……
„Jahaaaa……!“
Mitten im gehäuften Löffel Kaffeepulver begann nun die ungewöhnliche Aktion, möglichst schnell zur Kugel zu gelangen um Antworten zu können. Man sollte hierbei vielleicht anmerken, dass Magier nicht unbedingt die schnellsten sind, was körperliche Bewegung anging. Dabei musste er einem fauchenden Kater, dem Glasequipment und dem Sumpfdrachen ausweichen, der noch vom letzten Zauber im Labor anwesend war um in Ruhe sein Speiseeis auszulöffeln.
Einen halben Meter vor der Kugel, und einem verschütteten Löffel feinsten Expressos sowie einem nur noch halbvoller Becher tönte es….
„Keiner dran Klara, hast du auch einen Kaffee für mich….!?“, ein sattes aber bestimmtes „Klack!“ folgte.
Der Zauberer ächzte und gab ein eher kläglich klingendes Seufzen von sich. Kater Marlow registrierte es, und verpasste dem Zauberer noch einen Hieb mit seiner Tatze auf die Hand, die es frecher weise wagte sich der Kugel in seinem Beisein zu nähern. Eigentlich betrachten Katzen alles was in ihrer Nähe ist als persönlichen Besitz, den niemand antatzen durfte außer ihrer Majestät Kater Gnaden selbst.  Ch` ylwalla kannte das schon, und schwieg. Als Kugel (aus Glas), die jederzeit irgendwo runterfallen konnte hielt man sich besser zurück….besonders bei Katern wie Marlow. Der hatte einen zynisch kreativen Spaß daran mit der Kugel zu spielen wenn der Zauberer nicht da war. Sie beschloss also eigenständig die Verbindung neu aufzubauen.
Derweil führte eins zum anderen. Die Hand des Zauberers mit dem halbvollen Becher Wasser zuckte nach dem Tatzenhieb zurück.  Ein „Aua!“ erklang und im gleichen Atemzug so etwas wie ein ziemlich leises „Mistvieh!“  ‚(zu laut sollte man dies nicht zu äußern wagen). Katzen  sind sensibel, und unter Umständen ziemlich lange grantig. Und Marlow beherrschte dieses Katzen Metier mehr als gut.
Jedenfalls geriet der noch vorhandenen Inhalt des Bechers sehr treffsicher in den magischen Toaster, der schon seit ewigen Zeiten dort an seinem Platz stand, weil Mirsilus es liebte morgens einen Toast mit Himbeermarmelade zu schlemmen. Eine köstliche Nettigkeit, die ihm hin und wieder Hexe Kh`arfunkel angediehen ließ.
Es fauchte, zischte…..eine düstere nach verbranntem Brot riechende Qualmwolke stieg mit mürrischem Gesicht aus dem Gerät auf, und zog durch den Kamin mit einem düsteren lachen wieder ab. Der Sumpfdrache erschreckte sich, katapultierte  sein Eis, sowie sich in die Höhe und knallte gegen das aufgehängte Kräuterbeet. Dieses wiederum folgte befreit von einer haltenden Kette den Gesetzen der Schwerkraft und, fiel mit gepolter in die  Anlage zur Destillierung von Minzöl…..  
Das anschließende Chaos war unbeschreiblich. Papagei Galantino schaute amüsiert von seinem Lieblingsbalken zu. Kater Marlow putzte sich mit der Gelassenheit eines alten Katers, der ganz bestimmt wusste, dass er trotz allem sein Abendessen bekommen würde. Dem Geschehen brachte er die übliche kätzische Gelassenheit entgegen.      
Mirsilus hockte nachdem der Qualm sich verzogen hatte ein paar Sekunden später auf dem kalten Steinboden, einen Topf Basilikum in der Hand haltend, und fragte sich womit er das ganze verdient hatte. In all dem Chaos piepste dann plötzlich eine Stimme sanft unaufdringlich und voller Güte aus dem Inneren der Glaskugel.
„Guten Abend mein Name ist Iris, was kann ich für sie tun?“
Mirsilus seufzte ergeben, und zupfte ein Blatt Petersilie aus seinem Bart.