Samstag, 31. Januar 2015

Hinkebein



Während Menschen oft genug ohne einen Blick für ihre Welt und Umgebung durchs Leben gehen, spielen sich im Tierreich interessante manchmal auch lehrreiche Geschichten des Lebens ab. Es war Mitte letzten Jahres als ich den kleinen Kobold das erste Mal sah. Unscheinbar. Mit einem verletzten Bein. Er tauchte immer wieder mal auf. Holte sein Futter. Verlor schließlich nach einigen Wochen  das lädierte Bein. Nun sind Spatzen drollig. Schnell, immer am wuseln. So auch Hinkebein. Mal mit ein wenig Unterstützung, mal ohne, holt er sich stets seine Portion.

Er überlebte erstaunlicherweise den Winter. Entwickelte zu meiner Überraschung seine ganz eigene Überlebensstrategie. So kam es mir jedenfalls vor. Er hortete –nahm ich an- wohl Futter in einer ruhigen Ecke. Jedenfalls verschwand er immer mit einem ergatterten Brocken. Um wenig später zurückzukehren und noch ein wenig mehr zu bekommen. Ich muss sagen, dass mich dieses kleine Lebewesen ziemlich beeindruckt hat. Gut ein halbes Jahr später war er immer noch da. Sonnte sich an einem seiner Lieblingsplätze, stritt und lebte mit seinen Kollegen. Immer noch mitten im hektischen Treiben der anderen Kobolde, die im das Futter auch streitig machten. Rücksicht gibt es in der Natur nun einmal nicht.
Es sind diese kleinen Geschichten an denen andere vorbeigehen. Wer macht sich schon Gedanken um einen Spatzen? Wohl nicht viele Leute. Aber in der Tat kann Hinkebein auch einen Menschen inspirieren, denke ich. Weitermachen. Nicht aufgeben. Am Ball bleiben. Selbst mit Handicap. Man sah dem kleinen Tier dennoch seine Lebensfreude an, besonders wenn er sich auf seinem Lieblingsplatz ein Sonnenbad gönnte.
Für mich hat das geradezu etwas Philosophisches.
Irgendwann tauchte er dann nicht mehr auf. Nun ist ein Spatzenleben nicht besonders lang. Wenn es zwei Sommer zählt, ist es wohl schon ein würdiges Alter, für diese kleinen Quirle. Die meisten Sperlinge überstehen schon die Jugendzeit nicht.
Was aber ein Tier –nicht nur Spatzen- ausmacht ist wohl seine ihm ganz eigene Beharrlichkeit. Es macht immer weiter bis es nicht mehr geht. Anders als wir Menschen, die ja auch dazu neigen zu klagen sich zu bemitleiden oder zu jammern (schließe ich mich ausdrücklich mit ein ;-).
Nun sind Tiere eben Tiere. Man sollte sich davor hüten sie zu vermenschlichen. Manch einer tut das ganz gerne. Auch aus durchaus verständlichen aber oft seltsamen Gründen. Natur ist lehrreich, aber es ist halt Natur. Eine Umgebung in ihrer kalten gleichgültigen Grausamkeit, und doch belebenden Schönheit. Viele von uns haben den Draht zu ihr schon lange verloren. Können nicht sehen, was sie umgibt. Schon gar nicht die kleinen wie großen Geschichten des Lebens, die um uns herum erzählt werden wenn man denn die Gabe hat hinzusehen. Sie überhaupt wahrzunehmen.
Ich denke mal, dass Hinkebein, wie so viele andere Tiere und sicher auch Menschen es verdient haben, dass man diese Ihre Geschichten erzählt. Vermitteln sie uns doch, wenn man sie zu sehen vermag eine Sicht auf die Welt die nicht nur Konsum und das „Was kaufe ich Morgen?“ beinhaltet.  Sondern, da ist dann doch mehr als man vielleicht zu ahnen oder gar wissen vermag.
Mich hat dieses Erlebnis, so darf man es wohl nennen zum Nachdenken gebracht. Über vieles, das Leben, die Umgebung. Was Natur für uns für mich ist, oder sein kann. Ich widme dem kleinen Kobold zum Andenken eine eigene Ecke bei mir im Blog. Hin und wieder, werde ich den Text überlesen und gegebenenfalls etwas ändern oder anpassen.
Die Bilder sind über dem Zeitraum etwa eines Jahres entstanden. In der Ecke eines Tierparks, in dem ich mich ganz gerne aufgehalten habe. Die Idee die Quirle zu fotografieren, entstand über  die Zeit. War erst nur ein Gag. Doch dann wurde daraus ein wenig mehr. Wer je versucht hat Spatzen zu knipsen, weiß wie schwierig das ist. In Bewegung ist es äußerst schwierig.  Später haben mich dann eher Ausdruck und Mimik interessiert.
Festgehalten ist das ganze meist mit einem Telemakro und unterschiedlichen Iso, Blenden und Belichtungszeiten.