Montag, 15. Dezember 2014

Nachdenkliches.....




Das trübe feuchtkalte Wetter draußen verleitet einen nicht gerade dazu rauszugehen. Auch und wenn ich schon früh einkaufen war. So wie ich es meist tue um den einkaufenden Massen aus dem Weg zu gehen. Wenigstens etwas bewegen, was mir zurzeit  schwerfällt.

Die Schmerzen stellen sich kältebedingt wieder ein. Und längere Etappen zu laufen ist dann schwer wenn einem der Rücken oder Knie und anderes etwas Gegenteiliges verkünden. Schmerzmittel helfen, aber sie zu oft nehmen ist auch nicht gut. Was bleibt ist ein Kompromiss, ein wenig laufen. Tut auch gut. Seltsamerweise mag ich das Wetter sogar ein wenig, das Prasseln des Regens hat auch etwas beruhigendes. Umso schöner wenn dann die Sonne wieder hervorkommt.    

Während der Kaffee durch die Espressomaschine röchelt, und diese sich dabei anhört wie eine Kreuzung von Smaug und Darth Vader versuche ich wach zu werden ;-).  Das Maschinchen gibt auch so langsam seinen Geist auf. Ersatz ist glücklicherweise da. Während eines Spaziergangs entdecke ich eine süße kleine Expresso Maschine in einem Second Hand Laden. 7.50 stand drauf. Ich konnte sie um einen Euro runter handeln. Muss ich mir irgendwo anders dann abknapsen.

Leider hat sie keine Einstellungsmöglichkeiten und jagt das Wasser aber irgendwie so relativ konstant durch das Kaffeepulver. Das entstandene Gebräu schmeckt anders als das von meiner Lieblingsmaschine. Scheint aber genießbar zu sein. Gerne hätte ich eine Senseo. Aber leider nicht stemmbar.
Kaffee ist eine Leidenschaft für mich. Wie das Knipsen oder kreativ sein. Ich mag das Gebräu einfach. Etwas Lebensqualität in diesen düsteren Zeiten. Dummerweise vertrage ich Filterkaffee nicht mehr. War schon vor meiner OP so, ist aber verstärkt seit dem ich sie hinter mir habe.

Aber etwas anderes. Abrupter Wechsel ;-).

Geld, Geld Geld….da wo andere ohne nachzudenken einkaufen können fehlt es Menschen am nötigsten. Gerade habe ich noch mit jemandem darüber gesprochen.

„Sag mal, kannst du dir vorstellen wie das ist?“

„Wie was ist?“ erwiderte ich.

„Ich habe kein Geld um mir meine Medikamente kaufen zu können. Alles wird teurer. Und dann schieben sie den Flüchtlingen und Asylbetrügern in NRW mal eben 91 Millionen Euro in den Arsch. Die kriegen alles, für uns haben sie kaum etwas übrig. Ich wähle die Rechten beim nächsten Mal!“

Ich spüre die Verzweiflung meines Gegenübers, es geht ihm nicht gut, das merke ich. Der Regen tropfte mir über meine Kapuze ins Gesicht. Ich stelle mich unter das Vordach. Versuche ruhig und mäßigend Einfluss zu nehmen. Leider ohne Wirkung. Eine Frau aus dem  Block mit Kopftuch geht grußlos -wie sie es leider meist tun- an uns vorbei. Der Blick meines Gesprächspartners spricht Bände.
Auch wenn es vielleicht nicht korrekt sein mag. Ich verstehe mein Gegenüber. Der fatale von der Politik und Medien vermittelte Eindruck entsteht, das Menschen die zu uns kommen bestens versorgt werden. Mit Wohnraum, mit Kleidung, gesundheitlicher Versorgung, mit Arbeit, mit Empathie. Diesen Eindruck muss man natürlich differenziert betrachten, und ist in vielen Fällen auch so nicht richtig. Aber ich merke in Gesprächen, dass er da ist. Das dieses Bild da ist. Sich Raum nimmt. Eine spürbare Wüste der Angst und Verzweiflung bei Menschen hinterlässt die sich vergessen und alleingelassen fühlen. Die Menschen hier im Viertel -wie auch anderswo- haben nicht viel Geld zur Verfügung, viele Rentner, Arbeitslose, alleinstehende.
Mich macht das ratlos. Auch merke ich wie Angst zu wachsen scheint. Sie ist diffus, nicht berechenbar, schon gar nicht rational. Wie Ängste nun einmal sind. Es ist bei vielen brutale Existenzangst. Nicht zu wissen wie man die Heizkostenrechnung  bezahlt bekommt, die das Jobcenter oder Grundsicherung nicht voll übernimmt weil sie nicht angemessen ist, oder weil der Lohn als Sklave nicht reicht. Vom Strom gar nicht zu reden. Der ist ja im Hartz IV Satz vorgesehen.

Nicht zu wissen wie man nötiges einkauft wenn man länger in diesem Hartz IV Sumpf steckt, der so viele Betroffene einsam und anfällig macht. Armut macht Krank. Nicht teilhaben können macht krank. Schnürt Menschen die Möglichkeit ab zu differenzieren, zu hinterfragen. Entwicklungen folgerichtig beurteilen zu können. Wer kann das auch schon wenn der Bildungsstand fehlt, oder auch nur das Geld um sich Zugang zu Information leisten zu können?

Ich selbst bin mittlerweile schon fast zu müde gegen diese Art Stimmung anzureden. Weil ich sie leider auch verstehen kann, wenn ich auch nicht billigen mag. Jene entstehende unterschwellige Wut. Während ich diese Zeilen schreibe gießt es  draußen in Strömen, und die Tropfen pladdern hörbar auf die Balkonbrüstung.

Weihnachten ist ein Fest der Liebe und des Friedens. Aber leider habe wohl nicht nur ich den Eindruck, das man in unserer Gesellschaft dazu neigt bestimmte gesellschaftliche Gruppen zugunsten anderer Links liegen und allein zu lassen. Ihnen die Schuld zu geben ohne Arbeit und Krank zu sein. 

Sicher. Flüchtlingen geht es nicht gut. Das will und kann ich nicht bestreiten. Aber es geht auch vielen Menschen ob Rentner Arbeitslose oder Geringverdienern  in unserem Land nicht gut. Die Gründe dafür tun erst mal nichts zur Sache. Es ist ein trauriger Fakt, wenn diese Menschen sich dann allein gelassen fühlen mit ihren Ängsten Sorgen und Nöten, die ja durchaus bedrohliche Formen annehmen können.

Kann man gegen diese diffuse brutale Angst angehen? Sie ist unmittelbar in ihrer Bedrohung. Wenn man am Ende des Geldes noch viel Monat übrig hat ist es schwer. Schwer über die Runden zu kommen. Mein Gesprächspartner ist schließlich mit spürbarer Frustration im Hauseingang verschwunden. Ich kenne ihn nicht näher, vom sehen und gelegentlichen Reden. Aber es geht hier wohl vielen so. Und ich muss zugeben mit diesen Situationen überfordert zu sein, da auch bei mir selbst die Kraft zu schwinden beginnt und ich mich hilflos zu fühlen beginne. Die Schmerzen tun ihr übriges hinzu.

Langer Weg vom Kaffee zu diesem Thema. Ich atme durch und nehme noch einen Schluck des Gebräus, schaue nachdenklich aus dem Fenster. Ich merke das ich kontroverser schreibe, weil es mir ein Bedürfnis ist. Das werden wieder einige nicht verstehen wollen. Das ist wohl so, leider. Die eine Seite will nicht wahrhaben. Die andere. Nicht sehen, Nicht Hören, nicht Reden. Leider!