Donnerstag, 2. Oktober 2014

Nachdenkliches





Es ist nicht lange her, da fragte mich jemand wie es eigentlich Künstlern/Kreativen unter Hartz IV ergeht. Meine Antwort: „Suboptimal!“

 Wenn man nicht gerade das Glück hat etwas in der Richtung studiert zu haben, sozusagen „offizieller“ Künstler zu sein steht man oft ganz im Regen. Kreativ kommt im Jargon des Jobcenters nicht vor. Künstler schon gar nicht.

Wobei jene, die in der Akademiker „Betreuung“ der Arge landen einige kleine Vorteile genießen. Sie werden etwas ernster genommen als andere Kreative. Ist man allerdings bedauerlicherweise irgendwo dazwischen kann’s übel werden.

Entweder man wird genötigt einen unterbezahlten Job anzunehmen –so vorhanden-, oder mit den Segnungen des Jobcenters beglückt. Heißt, Dauereinladungen, nerv tötende wie unpassende Jobangebote, unsinnige Maßnahmen wie Bewerbungstrainings und anderes. Und ich wäre wirklich mal glücklich darüber ein Jobangebot zu bekommen das einem auch wirklich -so man den Job bekommt- eine Perspektive ermöglicht. Mittlerweile hab ich da echt kaum noch Ansprüche.
Sinnvolle Förderung in einzelnen Sektoren wie Weiterbildungen muss man sich mühsam erkämpfen. 

Was allerdings schlimmer ist. Man wird in seinen Erwartungen, seiner Existenz, weder ernst noch für voll genommen. In seiner Integrität und Wertigkeit, als Mensch oft genug auf brutale Weise missachtet. Auch die Nichtkreativen im Übrigen.

Ganz schwierig wird es wenn man es dann mal schafft etwas zu verkaufen. Was selten genug vorkommt. Jeder Kunstschaffende weiß wie schwierig das sowieso schon ist. Kommt dann noch die Verrechnung wegen zugeflossener Einkünfte hinzu wird’s echt mühsam.
Denn, das man als Künstler auch Material braucht um etwas schaffen zu können interessiert die Arge dabei herzlich wenig.

Jetzt kommt noch hinzu, das man wenn man SGBII Leistungen bezieht ohnehin kaum wahr oder gar ernstgenommen wird. Der Ruch des Verlierers begleitet einen stetig, ob man es zulässt ist eine andere Frage. Was dann wiederum heißt an den Rand gedrängt zu werden, wenn man nicht achtgibt.
Ausstellungen zu machen wird schwierig, da einen Veranstalter schon schief ansehen wenn man Alg2 bezieht, beziehen muss, weil es sonst nicht reicht um klarzukommen. Da kann man ja dann nix sinnvoll kreative/"künstlerisches" oder gar Qualität bieten.

Ist mir vor einiger Zeit mal passiert als ich wegen einer Ausstellung in der örtlichen VHS nachfragte. Dummerweise war ich da gerade in einer der berüchtigten "Argen" Nonsens Qualifizierungen –ein Bewerbungstraining- dort. Der Blick besagter Leiterin ging an mir herunter von oben bis unten. Im Blick sah man förmlich die Verachtung. Wie kann der es wagen hier wegen einer Ausstellung anzufragen! Der kann doch eh nix. Gesehen hat sie nichts von mir, die Vorverurteilung war schon da. Übrigens auch ein Stigma unter Hartz IV. Man wird in allen Belangen abqualifiziert und sowieso generell schon für unfähig erklärt.
Das tut gelegentlich dann auch weh.

Wie damit umgehen? Man braucht schon ein recht starkes Selbstbewusstsein. Die Verdrängungseffekte unter „Künstlern“ empfinde ich da als oft heftigst.  Da wird einem stellenweise auch nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gegönnt. Ebenso wie in der Kreativbranche. Es herrscht ein teilweise ruinöser Verdrängungswettbewerb der bei vielen schon an die Substanz geht.
Das man selbst finanziell am Krückstock geht. Staatliche Almosen beantragen muss, das fällt vielen schwer  zuzugeben. Leider stellt man sich lieber dar, und drückt wie gewohnt jenen den Stiefel ins Genick denen es noch schlechter geht. Qualifiziert sie mitunter in der Tätigkeit selbst im Menschsein ab.

Hat man dann als Kreativer (ich drücks mal allgemeiner aus) nicht das große Glück einen verdienenden Partner im Rücken zu haben ist es schwierig.  Die die einen haben wiederum suhlen sich in einer ziemlich arrogant gewordenen Szene und beachten einen NICHT. Das wie schon erwähnte Stigma. Jemand der Hartz IV bezieht kann ja nichts sein! Wenn man dann ein genervtes Lächeln erhält ist das schon viel. Glücklicherweise sind nicht alle so. Ich habe auch Unterstützung erfahren, und gebe diese auch weiter an andere die auch mal Lob und Bestätigung oder mal anpackende Hilfe brauchen.Dennoch begleitet einen oft genug Frust. Wenn man, -ich betone es-, zulässt. Nun bin ich auch nur Mensch und nicht ganz verschont davon. 

Ausstellungen zu organisieren kann ich mir nicht leisten. Schon das ausbelichten meiner Bilder, Rahmen und Material kosten echt Geld. Transport schwierig. Verkauf….haha. In Krisenzeiten sitzt das Geld nicht gerade locker. Sprich, an Kunst wird zuerst gespart.
Wenige Erfolgserlebnisse, die an den Nerven zerren zu vermögen.

Heute geht man in der Masse unter. Es gibt viele Kreative. Davon verkaufen einige recht aggressiv. Verdrängen andere. Im Grunde kann man sich davon nur  lösen, indem man sich vom Konsumdenken löst. Sprich eine eigene Variante entwickelt mit seiner Kreativität umzugehen.
Verkaufen ist mir zumindest immer unwichtiger geworden. Es geht ums machen, um den Prozess. Eigene Zufriedenheit zu erlangen. Manchmal gelingst, manchmal nicht. Mir bedeutet das Kreativ sein, fotografieren, 3D, und malen viel. Es ist ein Motor für mich um klarzukommen, nicht in der Situation unterzugehen.   

Chancen in einem Job –ob nun kreativ oder nicht- unterzukommen werden mit zunehmendem Alter leider immer geringer. Ein Effekt der unmenschlichen Hartz IV Mühle und einer brachialen Arbeitswelt. Jugendwahn ist in der Kreativbranche ohnehin das Ah und Oh. Ob man arbeiten will, sich müht zählt ja ohnehin nicht wirklich in diesem System der (un) menschlichen Verachtung, an dem sich so viele beteiligen ob nun bewusst oder schlimmer unbewusst weil man gar nicht hinschauen mag oder will.

Mich trifft dies alles mitunter hart, macht mir und anderen Betroffen zu schaffen. Dann fühle ich wie der Krake im Hintergrund seine Macht wieder entfaltet. Es ist ja nicht nur das keine Arbeit haben, fehlende Anerkennung im Job. Geht etwas kaputt wird’s schwierig. Nun habe ich bisher meist Glück gehabt und nach einer Weile wieder etwas gefunden.

Ich schreibe offen über diese meine Situation. Es gibt andere Menschen die leiden still. Würden nicht aufbegehren weil sie schon seit Jahren in dieser Misere stecken. Es ist wichtig über diese Thematik zu schreiben, und ich wünschte mir es würden mehr Menschen tun, sich trauen aufzubegehren. Eben um zu schildern wie menschenverachtend das System Hartz IV schon ist, und was sich da noch weiter an Negativem entwickeln mag.  

Glücklicherweise gibt es Menschen die es tun. Auch aus dem System selbst heraus wie Inge Hanneman oder andere. Spezielle dank auch an Buk Tom dessen Engagement ich sehr schätze. Es ist wichtig, dass Kritik aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Die Problematik zunehmender Armut und der damit verbundenen Komplikationen  wahrgenommen wird.