Sonntag, 15. Juni 2014

Nachdenkliches.....





Zeit  ein wenig zu reflektieren, was die letzten Monate angeht.

Das ich von der Arbeit im Callcenter zu prekären Bedingungen nicht viel halte, wird der ein oder andere ja schon vernommen haben. Das was ich dort erlebt habe wird sicherlich nicht das krasseste an Arbeitsumgebung gewesen sein, die es zu finden gibt. Aber es  wundert es mich doch wer in diesen Dingern so alles landet, landen muss, weil man nichts anderes findet und einem versprochen, versprochen, versprochen wird. Ein Strohhalm an den viele sich notgedrungen meinen klammern zu müssen.

Noch mehr wundert es mich allerdings, dass diese Art von prekärer Beschäftigung auch noch als Perspektive gesehen wird. Halten wir mal fest. Der Lohn den man dort bekommt reicht m.E. kaum zum Leben, und ist zum Sterben zu viel. Schwierig damit eine Perspektive für einen planbares Leben hinzu bekommen. Zumal ganz bewusst ein gutes Stück „Probezeit“ zu bewältigen ist, um dann in einem befristeten Arbeitsverhältnis zu landen.

Die „Schulung“ ist, auf diesen Gedanken könnte wohl nicht nur ich kommen sehr verbesserungswürdig. So kam es das Stoff in der Kürze der Zeit m.E. nur unzureichend vermittelt wurde, keine virtuelle PC Übungs- wie Arbeitsumgebung zur Verfügung stand, und der/die so geschulte nach der sogenannten Schulung ins kalte Wasser der Kundenbetreuung geschmissen wurde. Das dabei Fehler zustande kommen ist wohl kaum von der Hand zu weisen. Allerdings lastet man die dann den Agents an. Weil, eine „Schulung“ hätte man ja bekommen.

Die sogenannte Kommunikationsschulung (2Tage, völlig zu kurz wie ich finde) ist etwas, auf die ich vielleicht noch einmal bei Gelegenheit näher eingehen werde. Nun kenne ich das ganze Kommunikationsgedöns und schwülstige Gerede dahinter ja mehr als genug. War also im Prinzip nur wenig Neues für mich. Außer was die  „Qualität“ in Didaktik,  und Ausstattung angeht. Kritik wurde, so meine Wahrnehmung nicht wirklich ernst genommen.

Was die Führungsquälitäten (von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, die es verstanden nicht über Druck sondern mit Verständnis und Empathie zu arbeiten) und Leitung angeht so reicht ein ausreichend meines Erachtens nicht. Da kann man  zu der Meinung gelangen das sie völlig unzureichend ist. Es wurde mit viel Druck gearbeitet. Agents wurden würde fast sagen genötigt in Feedbackgesprächen die oft zwei gegen einen stattfanden unter anderem vorgefertigte Zettel zu unterschreiben in denen man unter anderem „versichern“ sollte keine Fehler zu machen. In so einer Drucksituation ist es schwer dagegen zuhalten und nicht zu unterschreiben.

Soweit ich weiß bin ich wohl der einzige gewesen der diese zweifelhaften Vereinbarungen nicht unterschrieben hat, sollte ich mich da irren bitte Mail an mich. Nun bin ich ja jemand der auf Druck zunächst einmal gelassen reagiert. Ich habe ein recht dickes Fell und Druck beeindruckt mich wie aggressiv schnauzende Chefs nicht im Geringsten. Meine Arbeit habe ich  gut gemacht –wurde mir jedenfalls so gesagt- :-). Natürlich war ich dann die letzten Tage vermutlich gaaannnzz schlecht.
Es wurden zeitweise Aufpasser (so empfand ich ihre Gegenwart) angeblich – aus Qualitätssicherungs Gründen - an unsere Seite gesetzt, die recht gut Achtgaben wie der jeweilige Agent so arbeitet. Anscheinend hat man wohl daraus gelernt das mitlauschen nicht legal ist ;-). Auch hier war ich der einzige, der den Wisch des Silent Monitoring (auch im Arbeitsvertrag so nicht enthalten) nicht unterschrieben hatte. Nach meiner und Erfahrung anderer das Privatgespräche belauscht wurden kann man mir das, denke ich nicht unbedingt verübeln.

Man muss sich eine Solche Gesprächssituation mal vorstellen. Bei so einem „Meeting“ sitzt man dann oft mit zwei „Vorgesetzten“ in einem Raum, und soll etwas unterschreiben. Auch wenn es die eigene Beurteilung war. Es entstand da sicherlich nicht nur bei mir der Eindruck, dass dieses Vorgehen eine unangenehme Kulisse des Zwangs beinhaltete.

Dann ging es mir schließlich –nachdem ich mit Kollegen meine Kritik laut äußerte- wie so vielen anderen vor mir. Ich wurde ins Büro des Standortleiters in eine Drei gegen einen Situation zitiert und bekam meine Kündigung präsentiert. Wohl Schlimm, schlimm wenn man seine Meinung zu laut äußert.Ist es das wirklich wenn man offensichtliche Missstände kundtut? Sie laut äußert? Was nicht nur ich im Übrigen getan habe. Einem dabei auch noch unterstellt wird die Firma schlechtzumachen. Es folgte eine verbale Auseinandersetzung mit dem Standortleiter der mich „Einer großen Klappe“ bezichtigte, und dabei meiner Meinung sehr deutlich die körperliche Distanzgrenze verletzte. Wer mich kennt, weiß das ich mich durch so etwas weder beeindrucken noch einschüchtern lasse. Und wenn es heißt eine „Grosse Klappe“ zu haben wenn man seine berechtigte Kritik offen äußert, dann ist es wohl eher eine Auszeichnung.

Ich sagte recht deutlich, dass ich mir nicht verbieten lasse meine Meinung zu äußern. Daraufhin bekam ich eine „Wächterin“ die dafür sorgen sollte dass ich mit niemandem mehr spreche an die Seite. Durfte meinen Spind ausräumen und Schlüssel, sowie Zugangs- Karte und Headsets abgeben.
Die ängstlich wirkenden Blicke einiger verbliebener habe ich jetzt noch in Erinnerung. Ich hoffe wirklich für sie, dass es mit der öffentlich machung der ganzen Geschichte besser für sie werden wird. Denn selbst dieser meiner Meinung nach schlecht bezahlte Job bedeutet Existenzsicherung. So makaber sich das anhört. Und nicht die die solche Missstände offenlegen sind „Übeltäter“, sondern jene die solche Zustände herbeiführen bzw. zulassen.

Die nächste Woche kann durchaus turbulent werden. Die Unterzeichner des offenen Briefes, zu denen ich auch gehöre dürften sich diversen Anfeindungen ausgesetzt fühlen. Denn gedankt werden einem solche Aktionen in der Regel nicht unbedingt. Die bisher erhaltenen Rückmeldungen sind sehr positiv, danke auch.

Aber nicht nur ich bin der Ansicht, dass solche Vorkommnisse offengelegt werden müssen. Schon auch im Interesse derer, die folgen. Wir haben uns das Ganze nicht leicht gemacht.
An dieser Stelle Dank an jene die den Mut gefunden haben sich zu äußern. Sich trotz drohender Konsequenzen nicht den Mund haben verbieten lassen. Das erfordert Zivilcourage, die in diesem Land immer seltener zu werden scheint.

Dank auch an Mel,  die es mit Ihrer sympathischen offenen Art geschafft hat mich wie auch das ganze Team menschlich stark zu beeindrucken. Sie hat in der Zeit in der sie unsere Teamleitung war für eine Arbeitsatmosphäre gesorgt in der man ohne Druck gut arbeiten und seine Leistung bringen konnte. Fachlich wie auch Führungskompetent ihr Team professionell geleitet hat.

Das Arbeiten dort im neuen Team war schön. Ich mag die Menschen dort. Die Arbeit hat auch mir in dieser kurzen Zeit Spaß gemacht. Davor war es anders. In einer Atmosphäre aus Druck und so von vielen empfundener Schikane wollte aus unserem Team niemand zurück. Mich eingeschlossen.

Jetzt ist die ganze Sache öffentlich. Die Medien interessieren sich. Auch und gerade wie es in Callcentern zugeht.Denke mal, dass dies auch nicht ganz unwichtig ist.

Wir lesen uns.